Home  /  Projekte  /  Jesuitenkosmos
Jesuit50x60
Jesuitenkosmos, Jesuitenkirche Wien, 2008-2009
jesuitenkosmos1
Jesuitenkosmos, Jesuitenkirche Wien, 2008-2009
09_Jesuitenkosmos_2
Jesuitenkosmos, Jesuitenkirche Wien, 2008-2009 – Detail
_1030325
Jesuitenkosmos, Jesuitenkirche Wien, 2008-2009 – Detail
_1030244
Jesuitenkosmos, Jesuitenkirche Wien, 2008-2009 – Detail
druckvorlage-jesuitenkirche
Jesuitenkosmos, Jesuitenkirche Wien, 2008-2009 – Druckvorlage

JESUITENKOSMOS

Jesuitenkirche Wien, 2008-2009

„Eroberung des Himmels mit technischen Mitteln“ – so oder so ähnlich könnte er lauten, der Titel eines Fotos der Weltraumorganisation NASA in bis dato ungewohnter Rahmung: Ein Astronaut als Repoussoir, als Vordergrundfigur für optimale Bildtiefe, darunter wolkenverhangen und gekrümmt der blaue Planet. Goldene Risalite barocken Ursprungs umgrenzen auf 600 qm die Sicht aus dem All als eine temporäre Installation vor einem Deckenfresko in der Wiener Jesuitenkirche.

Von 28.11.2008 bis 24.5.2009 verhängt das Künstler-Kollektiv Steinbrener/Dempf & Huber das sakrale Tonnengewölbe nach der Idee des „distanzierten Blicks auf die Erde“, einer Reminiszenz an Ignatius von Loyola, den Gründervater der Jesuiten. Geprintet auf teiltransparentes Netz – seit ein paar Jahren beliebtes Material zur werbetauglichen Verhüllung von Gebäuden und Baustellen – verspricht der Großdruck den Tiefenrausch mit bestimmter Fallhöhe zwischen Himmel und Erde, ähnlich der Perspektive, die einst Loyola den drei göttlichen Personen zudachte. Wo sonst die Deckenfresken des Barockmalers Andrea Pozzo Scheinarchitektur, Putten und himmlische Unendlichkeit beschwören, stößt nun der „umgekehrte Blick“ auf Weltraumtechnik und irdisches Blau-Weiß. Ermöglicht wird der Standortwechsel vom Kirchenschiff zum Raumschiff durch eine spezielle Lichttechnik, die das bei Tageslicht sichtbare Freskengewölbe nach Sonnenuntergang hinter dem „Jesuitenkosmos“ verschwinden lässt.

300 Jahre nach dem Tode Pozzos versuchen Steinbrener/Dempf & Huber mit Techniken der Werbung, was der Maler einst durch die Methode des Trompe l‘œil, der Kunst, auf zweidimensionalen Flächen eine dreidimensionale Wirkung zu erzielen, hervorrufen wollte: die Illusion der Auflösung des Sakralraumes, die Aufhebung von Innen und Außen. So wie Pozzo dem Betrachter die Enttarnung des Trugbildes im Dienste des Glaubens auf den zweiten Blick bewusst ermöglicht, setzen auch Steinbrener/Dempf & Huber auf ein offenes Spiel mit Sein und Schein feilgebotener Realitäten. Die vorsätzlich echte Täuschung schärft das Auge und den nach Loyola distanzierten Blick auf die Erde – auf sich selbst.

Text: Daniela Billner

Gefördert von Otto Mauer-Fonds • Wiener Stadterweiterungsfonds